Das Baby mit dem Zylinder wurde zwanzig!

Kaum zu glauben – aber wahr: Das Baby mit dem Zylinder, seit Anbeginn ihres Bestehens schon das sympathische Logo der Grazer „Kleinen Komödie", wurde zwanzig Jahre alt! Was bei der Entstehung wahrscheinlich bloß wenige für möglich gehalten hätten, bestätigen zwei erfolgreiche Jahrzehnte: Niveauvolles Boulevardtheater und gehobenes Lustspiel finden hierorts sehr wohl ihr interessiertes Publikum. Und das hält der Truppe rund um Prinzipal Mag. Robert Weigmüller und Prinzipalin Andrea eisern die Treue!

Begonnen hat die abwechslungsreiche Theaterarbeit 1994 mit der Uraufführung des speziell dafür verfassten Kabarett-Programms „Wer zuletzt kracht ..." im Grazer Hotel Europa. Nach einer Reihe von Ortswechseln und um einige Erfahrungen (etwa: mit oft recht zugeknöpften  Subventionsgebern) reicher, agiert die „Kleine Komödie", zur Freude des zahlreichen Stammpublikums und unterstützt von treuen Sponsoren, nunmehr seit Jahren im „Krone Center" in der Grazer Münzgrabenstraße.

Die Spielpläne der vergangenen zwei Jahrzehnte lesen sich wie das „Who is Who" der internationalen Komödienliteratur, doch warteten Direktor Weigmüller und sein Team  immer wieder auch mit Stücken auf, die etwas abseits des Lustspiel-Mainstreams angesiedelt sind. Etwa mit Yasmina Rezas Stück „Kunst". Von Agatha Christies Dauerbrenner „Die Mausefalle" bis René Heinerdorffs „Sei lieb zu meiner Frau", von einigen Hits von Ray Cooney („Außer Kontrolle", „Alles auf Krankenschein" etc.) über Marc Camolettis „Hier sind Sie richtig", „Intimitäten oder Cyrano in Buffalo" von Ken Ludwig oder dem Neil Simon-Klassiker „Sonny Boys" bis hin zu „Spiel's nochmal, Sam" von Woody Allen reichte das Angebot. Gemeinsam war allen Werken ein hoher Grad an Heiterkeit und die Lizenz zum Lachen.

Egal, ob es galt, sich im Angesicht der „Die Kaktusblüte" zu amüsieren, oder wenn hinter „Boeing-Boeing" gar frivole (Um-)Triebe, womöglich „Barfuß im Park", steckten, oder wenn gar die Parolen galten: „Keine Leiche ohne Lily", „Bleib doch zum Frühstück", „Lauf doch nicht immer weg", „Aufguss oder Dampf endlich ab", "Otello darf nicht platzen" und "Freunde zum Essen" - für beste Unterhaltung war stets gesorgt.

Fazit: Auch für die kommenden Jahre der Kleinen Komödie gilt, wie es einer der vorigen Produktionstitel  signalisiert hat: „Hier sind sie richtig!"


Bernd Schmidt